Platz da! Für Mädchen – Eine Mut- und Mitmachausstellung

© Stadt Wien / Luiza Puiu
Zwischen 2.3.2026 und 6.3.2026 findet in der Wiener Planungswerkstatt die Ausstellung „Platz da! Für Mädchen“ statt. Die Mut- und Mitmachausstellung gibt den Anliegen und Bedürfnissen von Mädchen Raum und stellt die Frage, welche Rolle die Stadtplanung spielen kann, diese zu erfüllen. Wir haben mit Julia Girardi-Hoog, der Ideengeberin für die Ausstellung, ein kurzes Interview geführt, wie es zu der Idee kam und warum es wichtig ist, über mehr Platz für Mädchen nachzudenken und warum auch die Burschen eingeladen sind, mitzumachen.
Platz da! Für Mädchen – Eine Mut- und Mitmachausstellung
Das Alter zwischen 10 und 20 Jahren ist für Mädchen besonders wichtig. Große Fragen wie „Wer bin ich?“, „Wo ist mein Platz?“ und „Wie möchte ich jetzt und später einmal leben?“ werden gestellt.
Der Spielplatz mit Rutsche und die Sandkiste reicht nicht mehr aus, Mädchen wollen und brauchen mehr Angebote. Die Stadt bietet viele Möglichkeiten und es gibt in Wien bereits jetzt viele Projekte, die von und für Mädchen und junge Frauen gestaltet wurden. Die Ausstellung möchte zum einen zeigen, was alles bereits heute für Mädchen (in Zusammenhang mit Stadtplanung) gemacht wird und bietet die Möglichkeit, selbst zur Planer*in zu werden.
Ziel der Mut- und Mitmachausstellung (Wiener Planungswerkstatt, Friedrich-Schmidt-Platz 9, 1010 Wien, 2. – 6.3.2026) ist auch, bereits umgesetzte Projekte vorzustellen und Themen wie öffentlicher Raum, Plätze, Parks, Straßenraum, Sicherheit und Beleuchtung zu behandeln. Die Fragen beantwortet Julia Girardi-Hoog.
Wie ist die Idee zur Ausstellung entstanden?
Uns ist aufgefallen, dass der öffentliche Raum gerade für junge Menschen und insbesondere auch für Mädchen spätestens seit der Corona-Pandemie eine sehr wichtige Rolle auch für die Gesundheit der Jugendlichen spielt. Der Votivpark oder Zwidemu waren zeitweise oder sind immer noch die Hauptreffpunkte der Jugend von heute. Lokale und Diskotheken sind für viele (noch) keine Option und nicht leistbar auf Dauer.
Mädchen haben in diesem Alter noch einmal ganz spezielle Bedürfnisse, und in Wien nehmen wir darauf seit über 30 Jahren Rücksicht. Einerseits werden Mädchen im öffentlichen Raum teilweise massiv belästigt, was wir aus der Studie der MA 57 wissen (https://www.digital.wienbibliothek.at/urn/urn:nbn:at:AT-WBR-1785580), daher müssen wir gezielt auf das Sicherheitsbedürfnis von Mädchen eingehen, was Sichtachsen, Beleuchtung und soziale Kontrolle angeht. Andererseits wünschen sich Mädchen bei Beteiligungsprozessen spezielle Angebote wie Beachvolleyball oder Nestschaukeln, wo sie gerne gemeinsam Zeit im Freien verbringen. Mit der Ausstellung wollen wir die unterschiedlichen Themen und Projekte zeigen, und auch in Kommunikation treten, was es sonst noch alles braucht, die Bedürfnisse ändern sich ja mit jeder Generation.
Was können die Besucher*innen von der Ausstellung erwarten – und was machen die Burschen in der Zwischenzeit?
Zum einen zeigen wir viele Projekte, die in der Stadt bereits für oder auch von Mädchen im öffentlichen Raum umgesetzt worden sind, das soll den Besucher*innnen Mut machen, öfter hinauszugehen und sich den öffentlichen Raum noch mehr anzueignen. Das sind Projekte wie die Reumädchen-Bühne in Favoriten, spezielle Salettl, Schaukeln und Hängematten aber auch Beachvolleyballplätze oder Tischtennistische in öffentlichen Raum. Es wird gezeigt, wie beispielsweise moderne Beleuchtung Angsträume reduzieren kann oder dass es in Wien einen ganzen Stadtteil gibt, in dem alle Straßen und Plätze nach Frauen benannt wurden.
Wir zeigen auch, was in Parks alles geboten wird für Mädchen, von der Jugendarbeit bis zu speziellen Mädchentreffpunkten. Auch im sozialen Wohnbau gibt es immer wieder Schwerpunkte für Mädchen.
Zum anderen geht es darum, gemeinsam mit den Mädchen und den Burschen die Stadt von Morgen zu planen, die auf die Bedürfnisse von Mädchen Rücksicht nimmt. Da arbeiten wir gemeinsam mit den Mädchen an der Stadt von Morgen und wollen dabei aber auch die Burschen mitnehmen.
So etwas kann man ja nicht allein machen. Wer steckt hinter der Ausstellung?
Die Ausstellung ist eine Kooperation zahlreicher Abteilungen der Stadt, das hat uns bei der Erarbeitung der Ausstellung auch intern Mut gemacht. Bei der Erstellung der Ausstellung ist deutlich geworden, dass es hier sehr viele Akteur*innen und Ebenen gibt, die sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise mit der Thematik befassen. Das ist einmal die MA42 – Stadtgärten, die Park und Spielplätze planen und hier sehr viel an unterschiedliche Angebote schaffen. Die MA19 – Architektur und Stadtgestaltung, die die Ausstattung unserer öffentlichen Räume plant. Und natürlich auch die MA18 und die MA21, die auf einer planerischen Ebene Genderthemen mitdenken und in die Planungen einfließen lassen. Wienextra war sofort zur Stelle mit ihren tollen Materialen und ihrer Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen zum Erarbeiten der neuen Stadt. Die MA57, das Frauenservice, hat viele Ressourcen und Forschung zum Thema Mädchen im öffentlichen Raum, und die MA 33 ist mit der Beleuchtung ein sehr wichtiger Partner beim Thema Sicherheit. Die MA 28 hat eine große Rolle bei Barrierefreiheit im Straßenraum, sie wird dabei von der Mobilitätsagentur unterstützt. Wiener Wohnen ist im Bereich der Wohnumgebung sehr engagiert zu diesem Thema, und der wohnfonds denkt mit den vier Säulen auch die soziale Nachhaltigkeit beim sozialen Wohnbau mit. Fast alle diese Abteilungen sind im Gender-Planning Netzwerk vertreten und arbeiten regelmäßig zusammen, was wie man sieht eine recht breite Themenpalette geworden ist.
Besonderer Dank gilt der MA21, die hier die Räumlichkeit stellt und auch die grafische Umsetzung der Ausstellung übernommen hat.
Warum ist es wichtig, speziell über Räume und Orte für Mädchen nachzudenken?
Der öffentliche Raum wurde lange aus einer männlichen Perspektive gedacht und geplant, symbolisch dafür sind die Namen und Ausstattung der Straßen und Plätze: Zu 90% tragen Straßen Männernamen (wenn nach Personen benannt wird), und Statuen oder Darstellungen gibt es hauptsächlich von Männern. Fun Fact: es gibt wesentlich (!) mehr Skulpturen und Statuen von Tieren als von Frauen im öffentlichen Raum. Stellen wir uns das bitte mal kurz umgekehrt vor.
Mädchen werden in Bezug auf den öffentlichen Raum und am Spielplatz anders sozialisiert: Sie haben von klein an einen kleineren Radius als Jungs, da gibt es spannende Forschungen dazu. Wir machen uns mehr Sorgen um Mädchen und behüten sie mehr, Jungs sollen mit dem Fußball losziehen und die Nachbarschaft erkunden. Wenn ich eine flache Wiese neben einem Spielplatz sehe, spielen da zu 90% Jungs, Mädchen brauchen eher konkrete Angebote, um gemeinsam in den Park zu kommen und auch hinzudürfen. Und dort müssen sie sich oft gegen Belästigungen und Catcalling wehren können, sie sitzen daher gerne auf erhöhten Plateaus oder in der Nähe der Kleinkind-Spielplätze, wo Erwachsene sind, die im Notfall helfen könnten.
In den Gesprächen mit Teenage-Mädchen zeigt sich, dass sie durchaus gerne in den Park gehen, wenn sie dort zumindest einen Tischtennis-Tisch oder eine Picknick-Bank haben. Sonst ist es für sie eher ein Ort, wo sie als Kleinkind waren und wo sie vielleicht als Erwachsene wieder hingehen.

© Stadt Wien
Dr. in Julia Girardi-Hoog
Kompetenzzentrum übergeordnete Stadtplanung,
Smart City Strategie, Partizipation, Gender Planning (KPP)
Magistratsdirektion Bauten und Technik
Wo: Wiener Planungswerkstatt, Friedrich-Schmidt-Platz 9
Wann: Montag, 2.3.2026 – Freitag, 6.3.2026, jeweils 15 – 18 Uhr
Workshops für Schulen ab der 5. Schulstufe: 3. bis 6.3.2026, 9 bis 10.30 Uhr und 11 bis 12.30 Uhr, Anmeldung auch für gemischte Schulklassen: julia.girardi-hoog@wien.gv.at
Der Eintritt ist frei!

